Mode und Lebensstil: Kleiden Sie sich noch oder leben Sie schon?

Frau im Bustier-Abendkleid aus Spitze mit Schärpe

"Rita", Stephanie Grupe 2012, iPad-Zeichnung;

Zugegeben, der Titel dieses Beitrags ist recht provokativ. Aber ich wette, ich bin kein Einzelfall und Sie kennen das: In meinem Schrank lauern einige wunderschöne Kleidungsstücke, in die ich mich im Geschäft sofort verliebt habe. Denn es passt einfach alles: Sie schmeicheln meiner Figur, entsprechen meinem Farbtyp, sind aus edlem Material und liegen auch stilistisch genau richtig. Jedes Mal, wenn ich diese Kleidungsstücke betrachte, läuft vor meinem inneren Auge ein ganzer Spielfilm ab, in dem ich umwerfend aussehe, große Erfolge feiere, eine rauschende Ballnacht erlebe… bis ich wieder in der Realität lande und feststelle, dass ich diese Traumteile noch nie getragen habe! Ganz zu schweigen von meinem Schuhschrank, in dem das ein oder andere Paar Highheels noch immer auf seinen ersten Einsatz wartet. Warum ist das so?

Zwischen Traumkleid und wirklichem Leben liegen manchmal Welten

Warum kaufen wir immer wieder Kleidung, Schuhe, Taschen und Schmuck, die zwar wie für uns gemacht erscheinen, die wir aber nie tragen? Die Antwort ist einfach: Sie passen nicht zu unserem Leben! Oft laufen wir einem Wunschbild nach. Wir erträumen uns das Leben, das wir gerne hätten. Dabei werden wir tatkräftig von künstlichen Werbewelten und einschlägigen Medienbeiträgen über die vermeintlich Schönen und Reichen unterstützt. Aber mal ehrlich: Wie oft gehen Sie über den roten Teppich? Wie oft besuchen Sie einen hochrangigen Gala- oder Charity-Event? Wie häufig können Sie als junge Mutter Ihr teures Sommerkleid aus fließender Seide tatsächlich anziehen? Tragen Sie wirklich Highheels bei der Sightseeing-Tour?

Tatsache ist: Wenn auch in Ihrem Schrank einige gute Stücke ungetragen vor sich hin darben, könnte es sein, dass Ihre Garderobe nicht zu Ihrem Lebensstil passt. Anders gesagt: Sie kleiden sich für ein Leben, das Sie nicht führen.

Ihr Lebensstil definiert Ihre perfekte Garderobe

Viel zu viele Frauen kaufen Mode nach dem Motto: „Mit dem nächsten Kleid wird alles besser.“ Dabei wird die wichtigste Anforderung an unsere Kleidung häufig vergessen: Unsere Outfits müssen uns bei all dem, was wir machen, unterstützen und dabei noch möglichst gut aussehen lassen. Sie müssen also zuerst herausfinden, was sie tatsächlich tun, wie oft und mit wem. Erst wenn Sie analysieren, welche Aktivitäten und Anlässe Ihren ganz individuellen Lebensstil prägen, können Sie entscheiden, welche Kleidungsstücke Sie wirklich benötigen und wie diese beschaffen sein müssen. Wenn Sie dann noch realistisch einschätzen, wie oft bestimmte Anlässe in Ihrem Leben vorkommen, können Sie Ihre Basisgarderobe aufbauen.

Denn es ist relativ einfach, sich in ein tolles Kleidungsstück zu verlieben. Den Alltagstest besteht ein solcher Spontankauf aber nur selten. Outfits, die Sie wirklich brauchen und die Sie in jeder Lebenslage optimal aussehen lassen, sind meist das Ergebnis von sorgfältiger Überlegung, ein bisschen Planung und – leider – oft längerem Suchen. Und dabei sollte nicht Ihr Kleidertraum, sondern Ihr tatsächliches Leben die Hauptrolle spielen. Denn es ist weitaus erfüllender, sich täglich mit schönen Dingen zu umgeben, anstatt nur von dem einen großen Moment zu träumen, der dann vielleicht doch nie kommt!

Finden Sie, dass die Kleidung in Ihrem Schrank zu Ihrem Lebensstil passt? Oder horten Sie auch nie getragene „Lieblingsstücke“? Und welche sind das? Nutzen Sie die Kommentarfunktion und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen Leserinnen der Modeflüsterin!

Falls Sie genau wissen wollen, wie Ihr persönlicher Lebensstil aussieht, dann machen Sie den Selbst-Test. Lesen Sie hierzu den Beitrag: „Ihr Fashion-Fahrplan: Analysieren Sie Ihren Lebensstil!“

13 Kommentare

  1. Stephanie Grupe

    Hallo, dies ist ein Test-Kommentar!
    Sie können aber auch gerne “richtige” Kommentare hier hinterlassen! Ich freue mich auf Ihren Beitrag!
    Herzliche Grüße von
    der Modeflüsterin

  2. Hallo! Ich bin durch Zufall auf Ihre Seite gekommen und bin begeistert. Ich bin figurmäßig ein O-Typ und dazu noch groß (1,80m). Einige Tipps habe ich wiedererkannt, die ich selbst schon gefühlsmäßig angewendet habe.

    Immer wieder mal schaue ich auf Ihrem Blog nach Neuigkeiten und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und viele Follower 🙂

    Liebe Grüße Birgit K.

    • Modeflüsterin

      Hallo Birgit,

      vielen, herzlichen Dank für Ihr tolles Lob! Ich freue mich sehr, wenn meine Tipps für Sie hilfreich sind!
      Falls Sie Freundinnen, Bekannte oder Kolleginnen kennen, die sich ebenfalls für die Modeflüsterin begeistern könnten, freue ich mich auch immer über Ihre Empfehlung – damit die Follower sich mehren und gedeihen… natürlich nur im übertragenen Sinne 😉

      Herzliche Grüße von
      Stephanie alias die Modeflüsterin

  3. Liebe Modeflüsterin,
    schon ein paar Monate verfolge und durchforste ich Ihren Blog und bin Ihnen schon nach kurzer Zeit sehr dankbar gewesen. Modetechnisch bin ich trotz meiner bald 40 Jahre ein Entwicklungsland und war schon eine geraume Zeit auf der Suche nach einer “helfenden Hand”. Die habe ich ja nun gefunden! Vielen Dank dafür und bitte, bitte weitermachen. Jede Menge lebensnahe Tipps habe ich nun schon umsetzen können und hoffe auf mehr.

    Viele liebe Grüße, Annette

    • Modeflüsterin

      Liebe Annette,

      das ist aber sehr schön zu hören! Herzlichen Dank! Dann hoffe ich, dass zukünftig noch einige Tipps für Sie dabei sind!

      Herzliche Grüße von
      Stephanie alias die Modeflüsterin

  4. Claudia

    “Sie kleiden sich für ein Leben, das Sie nicht führen.” – Dieser Satz hat mich beim Lesen eben kalt erwischt.

    Ich habe gerade erst angefangen, mich in diesen wunderbaren Blog einzulesen und werfe erste kritische Blicke in meinen Kleiderschrank… dort hängen jede Menge wunderschöner Kleider für besondere Events, die dann doch nur 1-2 x im Jahr stattfinden.
    Stattdessen fehlt es mir teilweise an den einfachsten Basics wie T-Shirts usw. Macht halt nicht so Spaß einzukaufen. 😉

    Oder, halt: bisher! Ich bin jetzt richtig motiviert, eine Kleiderschrank-Inventur durchzuführen und mir eine Shopping-Liste anzulegen. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass nach der Inventur wenig übrigbleibt und die Liste ziemlich lang wird… Na, mal sehen.

    Vielen Dank erstmal für die tollen Tipps!
    Herzliche Grüße von Claudia

    • Modeflüsterin

      Liebe Claudia,

      das hört sich aber sehr, sehr gut an! Ihre Motivation, Ihre Garderobe passend zu Ihrem Leben aufzubauen, kann ich förmlich zwischen den Zeilen spüren 😉
      Wenn Sie ihre Kleiderschrank-Inventur machen, ist es völlig unerheblich, wie groß Ihre Shopping-Liste wird. Denn Sie haben ja den Stapel “vorübergehend behalten”, der Sie in der Übergangszeit gut durch Ihr Leben bringen wird. Und dann können Sie sich genügend Zeit lassen, um strategisch Stück für Stück auszutauschen und zu ergänzen. Wenn Sie erst einmal anfangen, nur noch diejenigen Kleidungsstücke in Ihr Leben zu lassen, die Sie wirklich brauchen und die zu Ihnen passen, werden Ihre Einkäufe ohnehin weniger und bewusster – und es dauert viel länger, bis Sie Passendes finden… “Gut Schrank braucht Weile!”
      Ich wünsche Ihnen viel Freude am Aufbau Ihrer Garderobe, in der Sie sich pudelwohl fühlen – jeden Tag Ihres Lebens!

      Herzliche Grüße von
      Stephanie alias die Modeflüsterin

  5. Ja, ja, liebe Stephanie, da haben Sie den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen…

    Auch ich habe ein paar richtig schöne Teile im Schrank, die ich erst wenige Male oder (eines davon) gar nicht getragen habe. Darunter ein maßgeschneidertes dunkelrotes Cocktailkleid aus Samt, das bisher erst einmal mit mir in der Oper war. Und ganz ehrlich: Selbst da kam ich mir leicht “overdressed” vor. Aber ich habe halt schon immer von einem dunkelroten Samtkleid geträumt…
    Doch nicht nur in dem – wie Sie richtig erkannt haben – Traumleben, für das wir diese Kleider kaufen, liegt das Problem. Heute sind einfach viele Gelegenheiten, bei denen man sich noch vor 15-20 Jahren richtig schick gemacht hätte, viel legerer geworden. Heute sieht man Menschen auch in Jeans und Pulli in Oper, Theater, Konzert gehen. Das hat einerseits den Vorteil, dass gerade für junge Leute dadurch auch eine Barriere fällt, Kultur zu genießen. Schade finde ich es trotzdem. Es geht meines Erachtens nach ein bisschen Glanz verloren.

    Denn auch beruflich hat man kaum mehr Gelegenheit, sich ein bisschen aufzubrezeln. In meinem Job bin ich recht häufig auf Konferenzen, bei denen Abends zu einem Empfang geladen wird. Als ich vor 12 Jahren anfing, gab mir meine Chefin noch den Tipp, mir ein Abendkleid anzuschaffen, auf einigen Empfängen werde das erwartet. Tja, das ist dann auch das Kleid geworden, welches ich noch nie getragen habe, obwohl es relativ zeitlos und schlicht in schwarzem Samt mit ganz dezenten Glitzer-Applikationen daher kommt. Ich stellte nämlich schnell fest, dass oftmals sogar schon ein Cocktailkleid fast zuviel des Guten ist.
    Das liegt sicherlich auch daran, dass ich in einer sehr von Männern dominierten Branche arbeite – und die Herren der Schöpfung wechseln im besten Fall vor dem Abendessen nach einem Konferenztag das Hemd, aber der Anzug (meist dunkelblau, grau oder schwarz) bleibt derselbe. Dann als Frau in vollem Ornat anzukommen, erscheint mir ein wenig übertrieben. Da tut es eben auch ein schlichtes Etuikleid mit entsprechendem Schmuck und das hat den Vorteil, dass ich es zu anderen beruflichen Termin tagsüber mit Blazer/Cardigan tragen kann.

    In einem Buch habe ich mal den schönen Satz gelesen: “Was wir an Zwanglosigkeit und Bequemlichkeit gewonnen haben, haben wir an Dramatik und Schönheit verloren.” Damit werden wir uns wohl abfinden und künftig vernünftige Kleidung kaufen müssen. Und uns vielleicht ein wenig freuen, dass die Zeiten des Korsets/Hüfthalters vorbei sind. Aber ehrlich: Die beiden Samtkleider bleiben im Schrank, solange sie mir noch passen. Wer weiß, ob nicht doch noch eine Gelegenheit kommt…;-) Glanzvolle Momente kann man sich selbst schaffen – und halt mit rotem Samtkleid in die Oper gehen.

    Liebe Grüße, Konstanze

    • Modeflüsterin

      Liebe Konstanze,

      natürlich gönne ich Ihnen Ihr rotes Samtkleid von Herzen! Allzu streng sollte man ja keine der “Mode-Regeln” nehmen 😉 Ich würde nur an Ihrer Stelle dann auch keine Rücksicht darauf nehmen, ob sich andere Menschen in der Oper lässiger kleiden. Das Schöne ist doch, dass heute alles möglich ist! Und wenn Sie und Ihre Begleitung(en) eben einen eleganten Abend eingeplant haben, würde ich dies mit allen Mitteln so inszenieren – auch mit rotem Samtkleid. Denn so ein schönes Stück sollte wirklich so oft getragen werden wie möglich.

      Das gilt leider nicht in gleicher Weise für berufliche Situationen. Da ist Anpassung meist besser als overdressed zum Herrenabend zu kommen… Obwohl – Sie würden sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen 😉 Erinnern Sie sich noch, als unsere Bundeskanzlerin einmal mit großem Dekolleté zu den Bayreuther Festspielen erschien? Und die Journalisten plötzlich feststellten: Huch, unsere Kanzlerin ist ja ein richtiges Weib und hat sogar – noch viel schlimmer – tolle Brüste! Kein Wunder, dass im Alltag der Kanzlerin wieder strenge, recht hoch geschlossene Business-Blazer die Hauptrolle spielen…

      Also: Die Samtkleider bleiben zu Recht im Schrank und ein bisschen Träumen darf sicherlich sein 🙂 Dabei wünsche ich Ihnen noch viel Freude!
      Herzliche Grüße von
      Stephanie alias die Modeflüsterin

  6. Exilberlinerin

    Nö. Passiert mir eigentlich nicht mehr. Ich kaufe für Events immer ein tolles, schwarzes Kleid, weil es bei Events einfach Spass macht, was Neues anzuhaben (oder auch ein Rotes) und integriere das Kleid dann so nach und nach immer mehr in den Alltag und trage es auf bis es nicht mehr geht. Schöner Blog, über den ich gerade erst stolpere….

    • Modeflüsterin

      Liebe Exilberlinerin (wie ist Dein Vorname? Ich würde Dich gerne mit einem Namen ansprechen :-)),

      das klingt so, als wärst Du in Deinem modischen Leben angekommen 😉 Und da ich gerade erst heute selbst ein Kleines Schwarzes für einen Event gekauft habe, kann ich Dein Verhalten noch besser nachvollziehen. Mal sehen, bis wann ich meines auftragen werde… 😉

      Herzliche Grüße von
      Stephanie alias die Modeflüsterin

  7. Hallo,

    ich habe diesen Blog auch erst vor kurzem entdeckt und lese mich jetzt so bisschen auch durch die älteren Beiträge …
    Ich hatte auch einmal eine Phase, in der ich Unmengen an Sachen gekauft habe, die für ein Fantasie-Leben passend gewesen wären, aber leider nicht für mein tatsächliches, das um einiges banaler ist … Hinzu kam, dass die meisten dieser Sachen hoffnungslos reduziert waren und ich dann einfach nicht widerstehen konnte: z.B. die weißen Marni-Sandalen mit Golddetails, das apricotfarbene Kostümchen von M. Kors, der Trenchcoat aus schwarzer Seide von Balenciaga … Alles schöne Sachen, aber leider nicht für mich und auch nicht für meinen Lebensstil. Irgendwann bin ich dann zum Glück wieder in der Realität angekommen und kaufe (fast) nur noch Sachen, die mir a) stehen, b) passen, c) zu gebrauchen sind. Die aber in der besten Qualität, die ich mir leisten kann!
    Musst außerdem so lachen über den Satz, den eine andere Frau oben schrieb: Basics kaufen sei so langweilig… So landeten bei mir damals auch viele party-geeignete Tops im Schrank, obwohl ich garnicht auf so viele schicke Partys ging/gehe. Heute investiere ich lieber in einen dunkelblauen Kaschmir-Pullover, der mich durch den Winter begleitet.
    Es stimmt halt doch: Auch eine “alte Kuh” kann noch dazulernen! 😉
    LG, Petra

    • Modeflüsterin

      Liebe Petra,

      das klingt ja nach einer absoluten Verhaltensänderung! Da wird sich Ihr Kleiderschrank deutlich verändert haben… Ich glaube, dass Frauen gerne träumen und schon als Kind in ihrer Vorstellung die Prinzessin in den Märchen waren. Während die Männer tapfere Helden sind, beschäftigen sich die Damen damit, ihren Traumprinzen zu finden – oder eben das richtige Kleid für einen Ball oder eine Hochzeit. Und so ein bisschen Prinzessin steckt immer noch in vielen erwachsenen Frauen, die sich ein ideales Leben vorstellen und dann leider auch dafür einkaufen.
      Dabei muss die Realität ja keinesfalls langweilig sein. Es muss auch nicht bedeuten, dass man ausschließlich neutrale Basics kauft. Im Prinzip kann ja jedes Kleidungsstück gekauft, werden, dass zum eigenen Stil passt und zu den Anlässen des eigenen Lebens. Für mache Frauen sind Basics dann eben Blümchenkleider, für andere strenge Blazer und für die Dritte dunkelblaue Pullover 😉 Was alle gemeinsam haben: Sie können sich dann von diesen sehr individuellen “Basic-“-Teilen die jeweils beste Qualität kaufen, die sie sich leisten können. Und allein deshalb lohnt es sich schon, einmal genauer zu überlegen, was man eigentlich wirklich braucht. So wie Sie. Das finde ich großartig!

      Herzliche Grüße und weiter so!
      Stephanie alias die Modeflüsterin

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